MIND Prevention – Deutschlands bedeutendster
Islamismus-Experte Ahmad Mansour zu Gast in Wunsiedel

Teilnehmer Workshop

„Der Kopf ist zu alt“ …, so bewertet ein junger Mann aus Afghanistan die Haltung des Vaters in einem Rollenspiel, das das Team von Ahmad Mansour in der Berufsschule Wunsiedel gezeigt hat. Zu sehen und von den Schauspielern eindrucksvoll dargestellt: ein Streit zwischen einem muslimischem Ehepaar, das aus Syrien nach Deutschland geflüchtet ist. Die Frau, mit modernen Ideen und der deutschen Lebensweise gegenüber aufgeschlossen, er noch in alten patriarchalischen Strukturen verhaftet. „Der Kopf ist zu alt“, urteilt der junge Afghane über die Haltung des dargestellten Mannes, eine lebhafte Diskussion zwischen jungen Männern und Frauen, sowie Ahmed Mansur und seinen drei Darstellern entspinnt sich. Es wird gesprochen, analysiert und gelacht – und es werden dabei ganz nebenbei und locker Themen besprochen, die in den Herkunftsländern der jungen Geflüchteten vielleicht anders gelebt worden sein könnten, als das in ihrem Hier und Jetzt, im Fichtelgebirge der Fall ist. 

Organisiert hat den Termin das Landratsamt Wunsiedel i. Fichtelgebirge in enger Abstimmung mit der Berufsschule Marktredwitz-Wunsiedel. Bianca Richter, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte, hat das Projekt von ihrem Vorgänger Andreas Prell übernommen und weitergeführt. Bereits im Frühjahr hatten die Schüler der beiden Berufsintegrationsklassen an einem Workshop mit Ahmad Mansour teilgenommen. Nun, nach den Ferien, stand der zweite Besuch im Rahmen des Projekts „Re-Think“ auf dem Stundenplan der jungen Leute. Zwischen 17 und Mitte 20 sind sie und kommen aus Syrien, Afghanistan, Palästina, Äthiopien, Somalia, Eritrea, Kurdistan, Gambia, Guinea und dem Nordirak. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen, der ein Schicksal teilt – sie sind in Ihrer Heimat dem Krieg entkommen und nun hier in Deutschland; einem Land, das ihnen Sicherheit und einen Neuanfang ermöglicht

„Re-Think“ ist en Format, das funktioniert und ankommt. Keine bierernsten Gespräche darüber wie Integration gelingen kann und wie nicht. Der Workshop holt die jungen Menschen ab, weil er ihre Themen aufgreift. Konflikte zwischen Vater und Sohn über schlechte Schulnoten, der Streit zwischen dem Ehepaar oder eine Diskussion zweier Muslime über die Notwendigkeit des Fastens im Ramadan. Anhand einfacher Situationen werden komplexe Themen besprochen, mal fällt es leichter mitzureden, mal (zum Beispiel beim Thema Religion) werden die Wortmeldungen weniger. Sehr persönlich und elementar sind die Fragen, mit denen sich die jungen Frauen und Männer beschäftigen sollen. Wie sie damit umgehen ist dennoch bewundernswert. Sehr modern und aufgeschlossen sind oft die Haltungen der Gesprächsteilnehmer, sehr genau bewerten sie die Situationen und positionieren sich dazu. Und genau das möchte „Re-Think“ bewirken, erklärt Mansour. „Wir wollen Vorurteile und Stereotype hinterfragen und diese nachhaltig beseitigen“, sagt der Leiter des Mansour-Instituts für Demokratieförderung und Extremismus-Prävention MIND GmbH. 

Ahmad Mansour weiß, was er tut. Er lebt seit 13 Jahren in Deutschland und beschäftigt sich seitdem mit Projekten und Initiativen, die Extremismus bekämpfen und Toleranz fördern. Er selbst wäre damals als junger Palästinenser in Israel beinahe zum radikalen Islamisten geworden. Sein Studium der Psychologie, Soziologie und Philosophie an der Universität von Tel-Aviv erst half ihm, sich vom radikalen Islamismus zu lösen. Eine Erfahrung, der er seitdem weitergeben und nutzen will. 

„Es hat mir riesig Spaß gemacht, wieder mit Euch zu arbeiten. Und wenn Ihr uns fragt, warum wir das machen lautet die Antwort: wir waren genau in Eurer Situation. “, sagt er nach dem Workshop und lobt die großen sprachlichen Fortschritte, die die Schüler seit dem letzten Treffen gemacht haben. Auch die teilnehmenden Lehrer sind vom Format „Re-Think“ angetan, auch wenn so nicht alle vorhandenen Probleme gelöst werden können – solche Workshops sind ein guter Ansatz und können Dinge in Gang bringen. Denn rund läuft es in den Schulen beim Thema Integration noch nicht immer. Schüler, die die nicht mehr zum Unterricht erscheinen, oder solche, die den Abschluss nicht schaffen, sind leider an der Tagesordnung. „Hier im Fichtelgebirge liegt die Quote derer, die die Schule mit einem Abschluss verlassen, aktuell bei rund 30 Prozent“, sagt Studienrätin Pamela Fennerl. 

Integrationsarbeit kann ein steiniger Weg sein, der vor allem den Schulen viel abverlangt, darüber sind sich alle Anwesenden im Klaren. „Aber wenn man die guten Ergebnisse hier sieht – und in den Kommentaren der Schüler hört, wie die Schüler in der Lage sind, andere Perspektiven einzunehmen und eigene Einstellungen oder die der Familie zu reflektieren und zu hinterfragen, dann wird einem bewusst, dass wir hier in der Schule auf einem guten Weg sind“, so die Bildungskoordinatorin. „Solche Workshops sind eine Bereicherung für alle Beteiligten. Denn nicht nur die Schüler lernen, vorgefertigte Urteile in Bezug auf Themen der Gleichberechtigung, Anpassung oder Autoritätengläubigkeit in Frage zu stellen, auch die anwesenden Lehrer und Sozialpädagogen werden für die Situation ihrer Schützlinge sensibilisiert.“ 

Hintergrund: 
Ahmad Mansour, Namensgeber und Geschäftsführer von MIND prevention, einer der wichtigsten Islamismus-Experten Deutschlands. Autor von Büchern wie „Generation Allah: Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen“. Träger des Moses-Mendelssohn Preises, der Josef-Neuberger-Medaille, des Carl-von-Ossietzky-Preises oder des Berliner Verdienstordens. Mansour bildet Pädagogen, Sozialarbeiter und Lehrer fort; ebenso hält er Schulungen an der Polizeiakademie Berlin. Weitere Infos unter: www.mind-prevention.com.