Aus dem Alltag einer Pflegemutter – „Man kann mit Liebe ganz viel gut machen“

„Ich hab sie alle geliebt“, sagt Anja Hager und dass diese Aussage von Herzen kommt, ist ihr dabei ins Gesicht geschrieben. Seit rund 20 Jahren ist sie Pflegemutter hier im Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge und gibt dabei Kindern, die in ihren Familien nicht mehr bleiben können, für kurze oder auch längere Zeit ein Zuhause. Vom Baby bis zur 17-jährigen, bei den Hagers sind in dieser Zeit Kinder jeden Alters untergekommen. Mal blieben sie nur wenige Wochen, in einem Fall sogar für immer; eines ihrer Pflegekinder ist inzwischen erwachsen, steht mitten in der Ausbildung und wurde von Hagers adoptiert. „Wir haben ein extrem inniges Verhältnis“, sagt sie. „Kein Wunder, sie ist bei uns seit sie zwei ist und wir haben viele Höhen aber auch ein paar Tiefen durchgemacht. Ich schätze mich glücklich, zu meinen zwei leiblichen Söhnen eine so tolle Tochter dazu bekommen zu haben.“

„Ich wollte einfach helfen“, so beschreibt Anja Hager heute ihre Motivation, die damals zum Entschluss geführt hat, sich beim Jugendamt als Pflegefamilie zu melden. „Das war ganz unkompliziert. Man wird von den Profis extrem gut begleitet und steht nie alleine da. Viele stellen sich das sicher ganz anders vor, als es tatsächlich ist. Man darf natürlich im Vorfeld sagen, welche Kinder man aufnehmen möchte. Zum Beispiel wie alt sie sein sollten. Dann kommt das Kind an und man integriert es in die eigene Familie. Man weiß ja nicht gleich, welche Geschichte hinter dem Kind genau steckt und das ist auch gut so. Wenn man es ein-fach behandelt wie die eigenen Kinder auch, dann macht man schon alles richtig. Und wenn tatsächlich mal Probleme auftauchen, dann sind die Profis vom Jugendamt da. Stehen für Gespräche zur Verfügung, vermitteln Hilfe oder Therapien, falls das nötig sein sollte und wenn es mit einem Kind gar nicht klappen sollte, dann haben sie dafür volles Verständnis. Das ist uns im Laufe der vielen Jahre zum Glück aber nur einmal passiert.“

Ein liebevolles Zuhause, eine klare Linie und Struktur, mehr muss man als Pflegefamilie nicht liefern, erklärt Anja Hager weiter. „Natürlich investiert man, aber die Kinder geben so unglaublich viel zurück. Ich habe die Entscheidung nie bereut“, sagt sie. Aber man müsse als Familie schon dahinter stehen, der Familienvater, die eigenen Kinder, alle müssten bereit sein, sich auf die neuen Familienmitglieder einzulassen. „Nur dann kann es auch gut funktionieren“, sagt die erfahrene Pflegemama. Und man muss natürlich auch wissen, dass die Kinder wieder gehen. „Natürlich habe ich sie vermisst, wenn sie weg waren. Aber das gehört dazu. Und zu den meisten habe ich bis heute Kontakt. Ich wollte immer wissen, wie es ihnen danach weiter ergangen ist. Aber das kann ja jeder für sich selbst entscheiden, ob er das so möchte.“, schließt sie ihre Erzählung. Eine tolle Frau und engagierte Pflegemutter, die anderen Familien Mut machen möchte, sich vielleicht auch für den Schritt zur Pflegefamilie zu entscheiden.

Zum Hintergrund:
Derzeit sind im Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge circa 85 Kinder in rund 70 Pflegefamilien untergebracht. Wer sich für das Thema interessiert, kann sich jederzeit melden und un-verbindlich – auch zu den finanziellen Hilfen, die Pflegefamilien gewährt werden - beraten lassen.