„Frühe Hilfen“ – Prävention von Anfang an Weiterbildung - Hebammen und Kinderkrankenschwestern gesucht!

Der Alltag mit einem Neugeborenen ist nicht immer einfach: der neue Lebensabschnitt mit dem Kind bringt große Freuden mit sich, kann aber auch mit Sorgen und Ängsten verbunden sein. Die Mütter und Väter stehen vor vielen neuen Herausforde-rungen und müssen lernen, die Bedürfnisse ihres Babys zu verstehen. Immer wieder kann es zu Situationen kommen, in denen sich Eltern Unterstützung wünschen. Wenn das Baby beispielsweise viel schreit, krank ist oder in der Familie kein Rückhalt vorhanden ist, gerät man verständlicherweise an seine Grenzen.

Hierfür bietet die Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi) des Landkreises Wunsiedel i. Fichtelgebirge die passende Unterstützung. Sie bietet Familien in den ersten Lebensmonaten des Kindes Unterstützung, begleitet die Eltern in ihrem neuen Lebensabschnitt und will Unsicherheiten und Ängste der jungen Eltern abbauen. Um dieses Ziel zu erreichen gibt es im Landkreis Wunsiedel drei Familienkinderkranken-schwestern und eine Familienhebamme, die sich durch eine Weiterbildung zur „Gesundheitsorientierten Familienbegleitung in den Frühen Hilfen“ qualifiziert haben und Familien mit Neugeborenen und Kindern bis zum ersten Lebensjahr unterstützen. Die Aufgaben sind ebenso zahlreich und unterschiedlich wie die Lebenssituationen der Familien und reichen von Anleitung bei der Säuglingsversorgung, Hilfe bei der Nah-rungsumstellung bis hin zu Entlastung der Mutter.

Im Landkreis Wunsiedel i.F. sind bereits drei Familienkinderkrankenschwester und eine Familienhebamme tätig. Die Fachkräfte Marion S., Johanna Jankowski, Sibylle K. und Sigrid M. geben im Interview einen genaueren Einblick in ihre Tätigkeit und die dafür erforderliche Weiterbildung.

An der Arbeit als Familienkindekrankenschwester/Familienhebamme (FKKS/FH) gefällt mir am besten, dass …

Marion S.: …, dass ganz viel Zeit für die Familien vorhanden ist und dass jede Familie individuell ist. Johanna Jankowski: …dass genügend Zeit da ist, gemeinsam Schwierigkeiten zu erkennen und an einer Lösung zu arbeiten. Sibylle K.: …dass ich ohne Zeitdruck auf die Bedürfnisse der Familien eingehen kann. Sigrid M.: …dass ich den direkten persönlichen Kontakt zu den Familien habe.

Der schönste Moment meiner Arbeit als FKKS/FH war, ….

Marion S.: …das herzliche „Danke“ einer Familie. Johanna Jankowski: …die Rückmeldung zu bekommen, dass meine Arbeit in der Familie als echte Bereicherung und Hilfe empfunden wurde. Sibylle K.: …die Nachricht einer Mama einige Monate nach Beendigung meiner Tätigkeit in der Familie: "Wir wollten Sie nur wissen lassen, dass wir öfters an Sie denken, weil Sie in der schwersten Zeit damals bei uns waren." Und jedes Mal ist es ein besonderer Moment, wenn ich die Rückmeldung bekomme: "Wir kommen nun alleine klar und brauchen Ihre Hilfe nicht mehr." Dann lässt man die Familie los und freut sich auf eine neue Herausforderung. Sigrid M.: …als ich erleben durfte wie eine Mutter, welche eine psychische Erkrankung hatte und dadurch erst keine Mutter-Kind-Bindung aufbauen konnte, es dann später doch geschafft hat.

Das Weiterbildungsmodul zur FKKS/FH….

Marion S.: …war bei mir in Nürnberg und eine tolle Erfahrung. Johanna Jankowski: …hat mir unglaublich viel Spaß gemacht und war mit wirklich guten Dozenten besetzt. Sibylle K.: … habe ich im Jahr 2014 nebenberuflich in Nürnberg absolviert. Es fand in 6 Blöcken zu je 4 Tagen verteilt über ca. ein Jahr statt. Sigrid M.: … hat mir viel gebracht. An die Zeit und den Kontakt zu den anderen FKKS/FH denke ich noch des Öfteren gerne zurück.

Ich würde mein Aufgabengebiet folgendermaßen beschreiben:

Marion S.: Gutes Zuhören, entlasten, auf die Familie eingehen, Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Johanna Jankowski: Ein Baby zu bekommen verändert alles, manchmal mehr als man alleine gut schaffen kann. Wenn Eltern merken dass sie Unterstützung brauchen und wollen, kann ich sie als Familienhebamme bis ca. zum 1. Geburtstag des Kindes begleiten. Sibylle K.: Unterstützung der Eltern mit Babys bei Unsicherheiten in der Pflege und Versorgung des Babys sowie bei Überlastung/Überforderung (Zwillinge, Depressive Phasen, Erschöpfung). Sigrid M.: "Mentoring" für Mütter, Väter oder Eltern.

Hebammen und Kinderkrankenschwestern gesucht:
Da die Zahl der Familien, die sich Unterstützung wünschen, in den letzten Jahren immer weiter gestiegen ist, ist die KoKi Wunsiedel auf der Suche nach Hebammen und Kinderkrankenschwestern, die sich vorstellen können, (nebenberuflich/freiberuflich) für die KoKi tätig zu werden und diese Familien ein- bis maximal zweimal wöchentlich zu unterstützen.

Weiterbildung:
Die Weiterbildung zur Familienkinderkrankenschwester bzw. Familienhebamme wird vom Bayerischen Landesjugendamt in Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales angeboten. Möglich ist diese für alle, die bereits über eine abgeschlossene Ausbildung als Hebamme oder Kinderkrankenschwester verfügen. Die nächste Weiterbildung findet in Bamberg statt und beginnt im Februar 2020. Das Auftaktmodul ist im Herbst 2019. Für interessierte Hebammen und Kinderkran-kenschwestern, die im Anschluss für die Koordinierende Kinderschutzstelle Wunsiedel in Familien mit Säuglingen arbeiten, werden die Weiterbildungskosten (Modul-, Fahrt-, und Übernachtungskosten) von der KoKi übernommen.