Suche nach dem Goldenen Scheckenfalter in Schatzbach Erkersreuth

Schatzbach Goldener Scheckenfalter

Goldener Scheckenfalter auf dem Blatt des Teufelsabbisses, Foto Martina Gorny

Die geschützten Flachmoorwiesen zwischen Schatzbach und Wildenau bergen einen ungewöhnlichen Schatz. Die Brachen auf feuchten Grund werden von einem sehr selten gewordenen Tagfalter bewohnt, dem Goldenen Scheckenfalter (Euphydryas aurinia). Maßgeblich für die Entwicklung des Scheckenfalters ist der Teufelsabbiss, eine Pflanze, die im Hochsommer leuchtend blau blüht, deren Blätter zur Eiablage genutzt und von den Raupen im Folgejahr befressen werden. Fehlt der Teufelsabbiss in den Feuchtwiesen findet sich kein Goldener Scheckenfalter. Auch eine zu frühe Mahd im Biotop oder die Entwicklung einer Brache zum dichten Gehölzbestand lässt den gebietstreuen Spezialisten verschwinden. Der Goldene Scheckenfalter ist europaweit stark im Rückgang begriffen, in Deutschland steht er auf der Liste der Insekten, für die wir zum Erhalt der Arten die Verantwortung haben.

Nach Mahd von Teilflächen zur Förderung des Teufelsabbisses und umfangreichen Entbuschungen im Winter 2018 fand eine Biotoperkundung zur Falterflugzeit statt, an der der betroffene Grundeigentümer, der Sportfischereiverein Schönwald als Anlieger, Landrat Dr. Karl Döhler, Vorsitzender des Naturparkes Fichtelgebirge e.V., ein Vertreter der Stadt Selb, die untere Naturschutzbehörde und die neue Naturpark-Gebietsbetreuerin Stefanie Jessolat teilnahmen. Geleitet in den zentralen Bereich wurden die interessierten Teilnehmer von Gudrun Frohmader-Heubeck vom Naturpark Fichtelgebirge e.V. und von Nora Sichardt, Aurinia-Projektbetreuerin vom BN Hof. Das sonnige Wetter ermöglichte allen, viele gaukelnde Falter und ihre Begleitarten zu erleben und die Aufgaben des Naturschutzes mit der kleinteiligen Landschaftspflege in Schatzbach kennenzulernen.

Der Goldene Scheckenfalter steht als Leitart für einen bedrohten Lebensraum. Ihm ist seit 2015 ein mehrjähriges Artenschutzprogramm des Bundes Naturschutz Hof gewidmet, das Maßnahmen zum Flächenerhalt mit diffiziler Pflege, Flächenausweitung und Biotopverbund vorsieht. An dem Bundesprogramm beteiligt sind die untere Naturschutzbehörde im Landkreis Wunsiedel und der Naturpark Fichtelgebirge als Landschaftspflegeverband für den Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge. Das Hofer Programm wirkt im Grünen Band, nur in den bayerischen, sächsischen und tschechischen Grenzbereichen finden sich für Nordbayern noch Scheckenfalter-Lebensräume. Neben Schatzbach bemühen wir uns im Landkreis Wunsiedel i. F. auch um Schutzgebiete im Raum Schönwald, Selb und Kirchenlamitz.

Das Schutzgebiet bei Schatzbach ist ca. 6,40 ha groß und in privatem und kommunalem Eigentum. Seit vielen Jahren organisiert der Landschaftspflegeverband in dem nicht einfach zugänglichen Feuchtgebiet Mäharbeiten und Entbuschungen von Birke, Weide und Faulbaum, die die blütenreiche Vegetation des Kalkflachmoores erhalten.

Gudrun Frohmader-Heubeck: „Es sind viele Handarbeitsstunden und der Einsatz von speziellen Landschaftspflegegeräten auf labilen Grund notwendig, die das Umweltministerium über die Regierung von Oberfranken hier im europäischen Natura 2000-Gebiete stark fördert. Durch das laufende Bundesartenschutzprojekt „Goldener Scheckenfalter“ erhalten wir zusätzlich ein Monitoring mit weiteren Hinweisen, wie der Raum Schatzbach für die hoch gefährdeten Tagfalter weiter optimiert werden kann“.

Der Juni ist die Hauptflugzeit des zierlichen Falters, zu erkennen an den schwarzen Punkten auf dem orangen Band der Hinterflügel. Nora Sichardt, Projektbetreuerin beim BN Hof hat in diesem Jahr vor Ort über 100 Einzeltiere gezählt. Die Alten Wiesen bei Schatzbach, so heißt der Geschützte Landschaftsbestandteil offiziell, sind im grenzübergreifenden Bundesprojekt  ein Bereich mit dem stärksten Vorkommen des Goldenen Scheckenfalters, verdeutlicht Nora Sichardt.

Landrat Dr. Karl Döhler war sehr erfreut, den Goldenen Scheckenfalter, welcher häufig in den Jahresberichten des Landschaftspflegeverbandes genannt wird, nun „live“ in seinem speziellen Habitat zu erleben, die Stadt Selb mit ihren Grundflächen möchte die organisierten Mäharbeiten zur Vergrößerung des Bestandes an Teufelsabbiss begleiten.

Der Sportfischereiverein Schönwald mit seinem Vorsitzenden Alexander Lang freute sich, das Kleinod von Schatzbach unter der fachlichen Führung nun genauer kennengelernt zu haben und der Grundeigentümer sichert die weitere Gestattung von notwendigen Holzungen und Mäharbeiten mit dem Balkenmäher durch eingewiesene Landschaftspfleger zu.

Schatzbach aurinia Gruppenfotos

Teilnehmer des Ortstermins in Schatzbach von links Martina Gorny, Andreas Spitzer, Dr. Karl Döhler, Alexander Lang, Gudrun Frohmader-Heubeck, Thomas Frank und Nora Sichardt, Bild Stefanie Jessolat.