„Verschieden – und doch gleich“ - Interkultureller Dialog zum Abbau von Vorurteilen

Fluchterfahrungen aus erster Hand, persönliche Geschichten und die Möglichkeit, fast gleichaltrigen Migranten zu begegnen sowie vielleicht auch die eine oder andere private Frage zu stellen. Das, was einen schon immer interessiert hat. „Verschieden – und doch gleich“ – so heißt das Projekt, das in den Schulklassen des Landkreises Wunsiedel i. Fichtelgebirge nun einen interkulturellen Dialog zwischen jungen Geflüchteten und Schülern ermöglicht. Am vergangenen Montag wurde es in einer siebten Klasse der Mittelschule Wunsiedel zum ersten Mal durchgeführt und traf auf reges Interesse bei allen Beteiligten. Dabei gab es viele Fragen an Mahdi aus Somalia und Abdulahi aus Eritrea – und Erkenntnisse, die auch oft so gar nicht mit den gängigen Stammtischparolen vereinbar sind.

Allerding ist der Interkulturelle Dialog nicht neu: Entstanden sind die Idee und das Konzept 2016 im Rahmen der Interkulturellen Wochen in Stadt und Landkreis Hof und wurden von Ina Adler vom Jugendmigrationsdienst des Caritasverbands Hof und Bärbel Uschold von der Diakonie Hochfranken und Integrationslotsin für die Stadt Hof entwickelt. Seitdem wurde es erfolgreich in mehr als 40 Schulen in Stadt und Landkreis Hof umgesetzt. Nun wird das Projekt auch im Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge angeboten, wo es künftig von Ina Adler und Bianca Richter, Kommunale Koordinatorin für Bildungsangebote für Neuzugewanderte, durchgeführt wird. Startschuss des Projektes war nun am 20. Mai 2019 in der Mittelschule Wunsiedel. Für zwei Schulstunden konnten sich die Siebtklässler hautnah mit dem aktuellen Thema Flucht beschäftigten und junge Geflüchtete sowie deren persönliche Geschichte kennenlernen.

Interkultureller Dialog zum Abbau von Vorurteilen

„Ich war mit 16 Jahren im Gefängnis, weil ich nicht kämpfen wollte.“

Die Gründe, weshalb Menschen aus ihrem Heimatland fliehen, sind vielfältig. Diese zu thematisieren stand am Montag zunächst im Mittelpunkt, bevor Mahdi und Abdulahi ihre persönliche Geschichte  berichteten. Auch ein eigenes Einfühlen in die Situation wurde initiiert: „Was würdest du mitnehmen, wenn du schnell aus deinem Zuhause fliehen müsstest und nur einen Rucksack mitnehmen könntest?“ fragten die Moderatorinnen. Nach dieser Einstimmung erzählten die Geflüchteten ihre persönliche Geschichte. Ein Akt, der den jungen Menschen viel Mut abverlangt – zumal die Schüler im Anschluss auch Fragen stellen können. Fragen nach dem Wie und Warum, die vor allem Neugier und Interesse wiederspiegelten. So erfuhren die Anwesenden, dass der Auslöser der Flucht für die beiden jungen Afrikaner die drohende oder stattgefundene Inhaftierung wegen der Verweigerung, sich an militärischen Auseinandersetzungen zu beteiligen, war. „Ich war mit 16 Jahren im Gefängnis, weil ich nicht kämpfen wollte“, berichtete Mahdi. Somit war er zu diesem Zeitpunkt und zu Beginn seiner Flucht aus Somalia fast so alt wie die Schüler der Klasse.

Schulrat German Gleißner ist überzeugt vom Konzept dieses Projekts: „Hinter jeder Geschichte steht ein Schicksal, das berührt und das hat Wirkung.“

„ Es ist ein Lernen durch Kennenlernen: Durch das persönliche Gespräch und gegenseitige Kennenlernen können Schüler hautnah vieles über Flucht und Migration lernen“, erläutert Bianca Richter. „Vorurteile können angesprochen und besprochen werden – und somit auch abgebaut werden.“ Die präventive Wirkung betonen auch Ina Adler und Bärbel Uschold, die in den vergangenen Jahren durchweg positive Erfahrungen machen konnten.

Moderiert und durchgeführt wurde die erste Doppelstunde des Projekts von Ina Adler und Bärbel Uschold, die das Projekt seit drei Jahren in Hof etabliert haben. Die weiteren Termine im Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge werden Ina Adler und Bianca Richter durchführen. Die beiden sind auch Ansprechpartnerinnen für interessierte Schulen oder Geflüchtete, die bereit sind, ihre Geschichte mit Gleichaltrigen zu teilen.