„Eine für Alle“ – EUTB-Beraterin Petra Schmidke ist Ansprechpartner für Ratsuchende im Landkreis

Wenn man selbst eine Situation schon einmal erlebt hat, dann kann man anderen Betroffenen auch besser zur Seite stehen. So einfach ist der Grundgedanke, der hinter der Ergänzenden Unabhängigen Teilnahmeberatung (kurz EUTB) steht – eine Beratung für Ratsuchende rund um die Themen Hilfsmittel und jede Form von Assistenz für Menschen mit Einschränkungen oder gesundheitlichen Problemen. Petra Schmidke von der Diakonie Hochfranken bietet diese Beratung seit vergangenem Jahr auch für Menschen im Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge an.

Sie hat selbst vor einigen Jahren die Diagnose Multiple Sklerose erhalten – sie weiß, wie kompliziert es sein kann, sich durch den Dschungel von Anträgen und Formularen zu kämpfen, wenn man zum Beispiel eine nicht selbstverständliche Therapie nutzen möchte oder eine Teilrente beantragen möchte. Sie weiß, wie unverständlich die Texte im Sozialgesetzbuch sein können und sie weiß, wie sperrig Krankenkassen sein können, wenn man eine Leistung in Anspruch nehmen möchte, die über „0815“ hinaus geht. Mit ihrer Erfahrung hilft Petra Schmidke anderen Menschen in ähnlichen Situationen. Sie hört zu, sie gibt Tipps und wenn sie selbst einmal nicht weiter weiß, vermittelt sie weiterführende Ansprechpartner.

Der Bedarf ist offenbar riesig – seit dem Herbst hat Petra Schmidke fast zwanzig Beratungen durchgeführt, Tendenz steigend. Da geht es um die Klassiker – zum Beispiel einen Antrag auf die Zuerkennung eines Grades der Behinderung zu stellen oder einen Pflegegrad feststellen oder korrigieren zu lassen. Aber da gibt es auch Fälle, die weit mehr Begleitung benötigen. Einen jungen Mann, der fünf Jahre lang das Haus nicht mehr verlassen hatte wieder in Job und Gesellschaft zu integrieren zum Beispiel. Ihm einen Wohnheimplatz oder ein Praktikum zu vermitteln und ihn als verständnisvoller Ansprechpartner auf diesem steinigen Weg zurück ins Leben zu begleiten. Da geht es um eine Frau, die ihren Hund mit zur REHA nehmen möchte, weil er ihre Stütze im Leben geworden ist, oder einem kleinwüchsigen Menschen, der Sozialhilfeempfänger ist dabei zu helfen, sich seine Kleidung umarbeiten lassen und das auch finanzieren zu können. „Aufgrund meiner eigenen gesundheitlichen Geschichte bin ich mit den Menschen auf Augenhöhe – das macht das Gespräch manchmal einfacher“, sagt Petra Schmidke. „Ich weiß natürlich auch nicht alles, aber mein Anspruch ist jedem, der zu mir kommt weiterzuhelfen, egal wie lange das auch dauern mag. Und das vor allem unabhängig und individuell. “

Grundlage für die Beratung durch die EUTB ist eine Entscheidung der Bundesregierung deutschlandweit rund 500 derartige Stellen zu schaffen. Hier in der Region ist Petra Schmidtke nun erste und bislang auch einzige Ansprechpartnerin. Interessierte erreichen sie über ihr Büro bei der Diakonie Hochfranken in Hof, Beratungsgespräche sind bei den Betroffenen zuhause oder aber auch in den Räumen des Landratsamtes Wunsiedel i. Fichtelgebirge möglich. „Ich bin oft nicht im Büro, hinterlassen Sie mir einfach eine Nachricht. Ich rufe sie garantiert zurück. Und wer weiß, vielleicht bekommen wir ja gemeinsam Ihr persönliches Problem gelöst“, appelliert sie. Und wer die quirlige und resolute Frau einmal im Gespräch erlebt hat, glaubt ihre das aufs Wort.