Standortsuche für ein atomares Endlager - es gibt bessere Standorte in deutschland als das fichtelgebirge

„Die Suche nach einem Standort für ein atomares Endlager in Deutschland steht noch ganz am Anfang. Dass in diesem Zusammenhang auch immer wieder Standorte in Oberfranken und der benachbarten Oberpfalz öffentlich diskutiert werden ist ein Umstand, der uns nicht gefallen kann, der uns aber auch nicht beunruhigen muss. Wir verfolgen den Prozess nicht nur ausgesprochen aufmerksam, sondern ziehen in diesem Zusammenhang auch immer wieder ausgewiesene Experten zu Rate, die uns mit ihrem wissenschaftlichem Fachwissen und ihren fundierten Einschätzungen wertvolle Begleiter sind“. Das sagt Landrat Dr. Karl Döhler.

Einer dieser Experten ist Dr. Andreas Peterek, der Leiter des Geoparks Bayern-Böhmen und seit vielen Jahren mit der besonderen Geologie der Region vertraut. Der erfahrene Geologe hat zum Thema eine klare Position, die er wiederholt formuliert hat. Er sagt: „Es gibt in Deutschland einige Standorte, die für ein Endlager besser geeignet sind als unser Fichtelgebirge.“ Eine Einschätzung, die man hier in der Region gerne hört, auf der man sich aber nicht ausruht. „Wir waren bislang und werden auch in Zukunft bei allen relevanten Konferenzen und Veranstaltungen zu diesem Thema vor Ort sein, wir begleiten den Prozess sehr kritisch und aktiv und werden die Interessen der Region offensiv vertreten“, versichert Dr. Döhler und informiert an dieser Stelle über den aktuellen Sachstand, der im Folgenden zusammengefasst ist:

Organisiert wird die Suche durch das 2014 gegründete Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit – kurz BfE. Dieses hat wiederum vor etwa zwei Jahren die Bundesgesellschaft für Endlagerung – kurz BGE – mit der Suche nach einem geeigneten Standort betraut.

Der Bundestag hat im April 2018 auf der Grundlage der Empfehlungen einer aus anerkannten Fachleuten bestehenden Expertengruppe hohe Anforderungen an ein mögliches Endlager in Form des Standortauswahlgesetzes (Stand AG) formuliert und einen Zeitplan für das Verfahren festgelegt. Demnach soll der Standort, der eine tiefengeologische Lagerung ermöglichen soll, in einem transparenten und wissenschaftsbasierten Verfahren gesucht werden. Dieses Verfahren soll sich am aktuellen Stand der Wissenschaft orientieren – die Rede ist von einem selbsthinterfragenden Verfahren und einer lernenden Organisation. „Ein Kriterium ist beispielsweise die bestmögliche Sicherheit für einen Zeitraum von 1 Million Jahren. Eine Zeitspanne, die in der Geologie zwar gebräuchlich ist, die Vorstellungskraft aber auf eine harte Probe stellen dürfte“, sagt Dr. Peterek. Er verweist auf die ebenfalls genannten Ausschluss-Kriterien, die inhaltlich etwas griffiger sind; wie zum Beispiel eine intensive Bergbautätigkeit in einer Region.

Geplant ist ein schrittweises Verfahren, das zum Ziel hat, sich bis zum Jahr 2031 auf einen Standort festzulegen, ein Zeitrahmen, der allerdings auch durchaus einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen könnte. Noch steht man ganz am Anfang: aktuell werden in diesem Verfahren durch die BGE Daten gesammelt, die dazu beitragen sollen im kommenden Jahr (2020) etwa 25 Teilgebiete in Deutschland zu bestimmen, die dann nach und nach intensiver unter die Lupe genommen werden sollen. Ob eines davon in Nordbayern liegen könnte, ist derzeit noch völlig ungewiss.

Die BGE legt dabei Wert auf die Feststellung, dass es keinerlei regionale Vorfestlegungen gibt. Mutmaßungen über mögliche Teilgebiete kämen derzeit von verschiedenen Initiativen, die aber in das Auswahlverfahren nicht eingebunden sind (zu nennen wäre hier beispielsweise die Initiative „ausgestrahlt“, auf die sich kürzlich in verschiedenen Berichterstattungen bezogen worden ist).

„Jeder interessierte Bürger kann sich auf den Internetseiten von BfE (www.bfe.de) und BGE (www.bge.de) einen Überblick verschaffen. Dort sind alle Informationen zu den bestehenden Anforderungen und Ausschlusskriterien zusammen gefasst. Informiert zu sein ist immer gut, das kann auch bestehende Bedenken zerstreuen helfen. Denn sorgen müssen wir uns hier in der Region nicht“, so Döhler abschließend.