30 Jahre Arbeit fürs Fichtelgebirge: Landschaftspflegeverband feiert Jubiläum


Vor 30 Jahren wurde der Landschaftspflegeverband im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge aus der Taufe gehoben; eine starke Allianz aus Kommunen, Landwirte und Naturschützern wollte ihren Teil zum Erhalt unserer Kultur- und Naturlandschaft beitragen und Ökologie und Ökonomie unter einen Hut bringen, aber auch die Landwirte und das Handwerk zu unterstützen.

Wunsiedel war einer der frühen Landschaftspflegeverbände in Bayern, die sich um den Erhalt der Lebensräume unserer gefährdeten Tiere und Pflanzen durch gezielte Maßnahmen kümmerten. Die Pflege der Vogelschutzflächen in Oberweissenbach, das Heckengebiet Schönbrunn, die Torfstiche bei Niederlamitz und die Hohlwege um Schirnding waren erste Arbeitsfelder des Pflegeverbandes, zudem suchte die Leiterin und Landschaftsplanerin Gudrun Frohmader-Heubeck früh den Kontakt zu den interessierten Landwirten und ihrer Betriebshilfeorganisation, dem Maschinenring Wunsiedel e.V. Sie erarbeitete Pflegeplänen für Schutzgebiete, begleitete die Flächenankäufe der Naturschutzverbände, hielt Kontakt zu den beteiligten Kommunen und Fachbehörden und reichte Förderanträge für die jährlichen Naturschutzmaßnahmen über die untere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberfranken zur Bewilligung ein.

Waren es 1990 10 Landschaftspflegemaßnahmen mit einem Volumen von ca. 40.000 DM sind es heute 99 Maßnahmen mit Einzelprojekten und Gesamtkosten von rund 350.000 €. Wesentlich sind dabei nicht nur die Fördergelder sondern auch die Eigenanteile des Landkreises Wunsiedel i. F. mit seinen Kommunen. Auch Naturschutzverbände geben Teile ihrer Biotoppflege ab und finanzieren die Pflegearbeiten mit.

Das dichte Netzwerk der 17 Kommunen, der 100 aktiven Landwirten und Biotoppflegern und allen örtlichen Naturschutzverbänden schafft eine breite Basis. Zu der Bedarfspflege in den ca. 100 Schutzgebieten und in den gesetzlich geschützten Biotopen kommen notwendige Maßnahmen für besonders geschützten Tiere und Pflanzen der Roten Listen und die Umsetzung der FFH-Richtlinie in den Natura 2000 Gebieten hinzu. Auch Pflegemaßnahmen in Sekundärstandorte wie aufgelassene Steinbrüche stehen auf der Agenda.

„Wiesenbereiche weiter mähen, biotopprägende Nutzung fortführen“ war der Auftrag an alle, die sich den Biotopen aktiv widmen konnten. Der Bund Naturschutz, der Fichtelgebirgsverein, der Landesbund für Vogelschutz, die Naturfreunde und der Naturpark als Landschaftspflegeverband sind seit mehr als 30 Jahren die örtlichen Hauptakteure, immer in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden in Wunsiedel und Bayreuth.

Auch tierische Landschaftspfleger sind am Erhalt unserer Kulturlandschaft beteiligt: Rund 100 Schafe treibt ein Schafhalter aus Mühlbühl von Weide zu Weide und verhindert damit ein Zuwachsen der wertvollen Nagler Bergwiesen. „Ohne die geförderte, flächenschonende Beweidung sähe die Erllohe heute ganz anders aus, viele Pflanzen, Insekten, Vogel- und Fledermausarten, hätten hier keinen Lebensraum mehr“, erklärte Gudrun Frohmader-Heubeck. In den Wintermonaten finden regelmäßig Holzungen statt. Ziel ist dabei die Verbindungen und die Besonnung zu erhalten und die Schafe bei ihrer „Pflegearbeit“ für die Kräuterwiesen zu unterstützen. Das dabei ein schmackhaftes Nebenprodukt aus und für die Region entsteht, soll nicht unerwähnt bleiben.

Die Mitglieder des Verbandes werden stets über die aktuellen Projekte informiert. Eine Infofahrt führte in das heutige Archedorf Kleinwendern. Im Rahmen eines UrEinwohnerprojektes bereitete der Pflegeverband mit der Naturschutzbehörde den Weg für die Rückkehr der seltenen Rinderrasse Rotes Höhenvieh, einem weiteren tierischen Landschaftspfleger.

Die Pflege umfasst auch seltene Pflanzenarten wie Bärwurz oder Katzenpfötchen, die fachgerechte Pflege der Arnikabestände oder die Förderung des Goldenen Scheckenfalters ein seinen geschützten Lebensräumen.

Kompetente Unterstützer von Anfang an sind die Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Maschinenrings, die hinsichtlich des Technikeinsatzes beraten und Landschaftspfleger vermitteln.

Der Landschaftspflegeverband Wunsiedel im Naturpark Fichtelgebirge ist seit 1990 ein bewährtes Modell, um unsere ökologisch wertvollen Lebensgrundlage durch aktive Naturschutzarbeiten zu sichern. In den letzten 30 Jahren sind all seine eingereichten Landschaftspflegemaßnahmen bezuschusst worden, der Freistaat Bayern vergibt Mittel für die Landschaftspflege und Naturparke bayernweit in Millionenhöhe. Veranstaltungen dazu sollte die Vielfalt der 30-jährigen Arbeit zeigen, leider derzeit gestoppt durch die Corona-Pandemie. Doch Interessierte können sich die Erfolgsgeschichte und ihre Vielfalt in der Landschaftspflege-Bildgalerie unter https://naturpark-fichtelgebirge.org/aktuelles betrachten.