Auswahlverfahren Atomares Endlager: Zwischenbericht erscheint Ende September

27.07.2020

„Ende September wird die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ihren ersten Zwischenbericht auf der Suche nach einem atomaren Endlager in Deutschland veröffentlichen. Nach unseren Informationen werden in diesem Bericht nur diejenigen Regionen ausgeschlossen worden sein, deren Nicht-Eignung als Standort glasklar auf der Hand liegt. Demnach wird die Zahl der Teilgebiete, die weiter untersucht werden im hohen zweistelligen oder sogar dreistelligen Bereich liegen. Es würde uns in der Folge nicht überraschen, wenn das Fichtelgebirge noch darunter sein würde. Wir haben uns darauf eingestellt und werden die weiter Entwicklung genau beobachten“, sagt Landrat Peter Berek in der jüngsten Sitzung des Kreistags.

Unterstützung bekommt der Landrat bei dieser Einschätzung von Dr. Andreas Peterek. Der Leiter des Geoparks Bayern-Böhmen ist ein ausgemachter Experte auf seinem Gebiet und verfolgt den Auswahlprozess auf Bundesebene für den Landkreis: „Wenn wir in diesem Teilbericht noch zu finden sind, dann bedeutet das nicht, dass das Fichtelgebirge ein geeigneter Standort ist. Es bedeutet lediglich, dass die Datenlage einen Ausschluss der Region bislang noch nicht ausreichend hergibt. Ich halte es für wahrscheinlich, dass wir vorläufig noch in der Auswahl bleiben werden, bin mir aber ebenso sicher, dass wir im Laufe des weiteren Verfahrens als nicht geeignet ausscheiden werden.“

Warum, erläutert Peterek in einem circa 20-minütigen Vortrag. Granit sei als Wirtsgestein für ein Endlager nicht geeignet, so die Kernaussage des Wissenschaftlers. Es sei kleinräumig-brüchig und biete eine hohe Durchlässigkeit für Wässer, Fluide und Nuklide. Zudem sei das Fichtelgebirge bis heute geologisch aktiv, dies belegen individuelle Blockbewegungen, erklärt der Geologe. Und nicht zuletzt liege das Fichtelgebirge in der geologisch jungen vulkanisch-tektonischen Zone des Egerrifts mit teils sehr jungen Vulkanen, in den letzten 34 Mio. Jahren aktiven Störungszonen und seismisch aktiven Teilgebieten. Diese Mischung schließe die Region als Standort aus, und müsse in den kommenden Jahren durch weitere Studien intensiv belegt werden.

„Wir verfolgen den Prozess sehr genau und sind inzwischen sehr gut informiert und vernetzt. Wir nehmen an jeder Veranstaltung des BGE teil und haben als Landkreis von Anbeginn an die Interessen der Region aktiv vertreten. Fachlich haben uns dabei von Anfang an Dr. Peterek und unser erster Jurist im Hause, Michael Unglaub, hervorragend vertreten. Für die nächste Phase gehen wir sogar noch einen Schritt weiter und haben Gespräche auf verschiedenen Ebenen aufgenommen. Fachlich suchen wir den Austausch mit weiteren Experten, die das Gestein des Fichtelgebirges beispielsweise durch die Tiefnbohrung in Weißenstadt bestens kennen. Gemeinsam werden wir auch künftig unsere guten Argumente belegen und aktiv in das weitere Verfahren einfließen lassen.“

Hintergrund:

Ziel der Endlagersuche ist es laut BGE, bis 2031 in einem mehrphasigen (wissenschaftsbasierten und transparenten) Verfahren einen Standort zu finden, der für eine Million Jahre die bestmögliche Sicherheit für den Einschluss hochradioaktiver Abfälle bietet. https://www.bge.de/de/