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Die Wiederentdeckung des Steins

Sieger des Architekturwettbewerbs für den Campus Steinzentrum Wunsiedel gekürt

Strahlende Sieger, moderne und innovative Entwürfe und ein starkes Plädoyer für nachhaltiges Bauen mit Naturstein – das war das Ergebnis der Preisverleihung des Architektenwettbewerbs für den geplanten Campus Steinzentrum Wunsiedel. Nach einer intensiven Jurysitzung in der Aula des Steinzentrums Wunsiedel, die fast 90 Minuten länger dauerte als geplant, stand der Siegerentwurf Gewinner fest. Der erste Platz ging an ein Team aus zwei angehende Architekten und zwei Bauingenieuren, deren Entwurf die Jury überzeugte. Die Begründung: Ihr Konzept füge sich besonders harmonisch in die Hanglage ein und sei nicht nur architektonisch durchdacht, sondern auch realistisch umsetzbar. Neben dem Preisgeld von 1000 Euro nahmen die Studierenden große Anerkennung aller Beteiligten für ihre Arbeit mit nach Hause.

Sven Rohman und Johann Kaplan, Sprecher der Gewinnergruppe (weitere Mitglieder sind Andre Dietzel und Kerem Kiren), zeigten sich begeistert, dass ihre Hochschule das Bauen mit traditionellen Materialien fördert. „Stein, Holz und Lehm müssten wieder an Bedeutung gewinnen“, betonten sie. „Wir müssen uns zurückbesinnen und erforschen, wann und wie Beton durch Naturstein ersetzt werden kann.“ Ihren Entwurf sehen sie nicht nur ein gestalterisches Statement, sondern auch als einen Beitrag zur aktuellen Debatte über nachhaltige Bauweisen.

Campus Aussenansicht

Der Geschäftsleiter des Steinzentrums Wunsiedel, Thomas Laubscher, lobte die Qualität der eingereichten Arbeiten und sprach von einer „grandiosen Auswahl“. Besonders hob er hervor, dass der Siegerentwurf eine beeindruckende Kombination aus Schauobjekt und praktischer Nutzung als Schülerwohnheim darstellt. Die Anforderungen an den künftigen Campus seien hoch: Er soll nicht nur ein Ort des Wohnens sein, sondern auch Freiräume, eine Mensa sowie Begegnungs- und Veranstaltungsräume für über 100 Personen bieten. Geht es nach Laubscher, dann werden nach der Umsetzung Studierende, aber auch Bau-Expertinnen und Experten aus Deutschland, Europa und darüber hinaus das Pilotprojekt in Wunsiedel besuchen.

Die Bedeutung des Projekts für das Fichtelgebirge betonten auch die beiden anwesenden Staatssekretäre, die ebenfalls Teil der Jury waren. Martin Schöffel (Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat) betonte die Verantwortung, die in der Verbindung mit dem in Wunsiedel ansässigen größten Natursteinarchiv der Welt liege und sicherte seine maximale Unterstützung zu. Im Nachtragshaushalt des Freistaats seien erste Mittel bereits bereitgestellt worden. Tobias Gotthardt (Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie) unterstrich, dass das Fichtelgebirge mit seiner langen Tradition der Steinbearbeitung genau der richtige Ort für dieses zukunftsweisende Projekt sei. Bayern sei das „Home of Stone“, weshalb er es auch begrüße, dass derzeit die Förderungen überarbeitet würden, um auch das Bauen mit Naturstein unterstützen zu können. Zusätzlich setze man auch auf Fördergelder des Bundes und hoffe nach der Bundestagswahl hier auf positive Signale.

Sieger mit Jury

Der Präsident des Deutschen Naturwerkstein Verbands e.V., Herrmann Graser, stellte einmal mehr das Thema Nachhaltigkeit ins Schaufenster. Naturstein benötige keine Energie zur Herstellung, sei wiederverwendbar und sortenrein trennbar – Eigenschaften, die in Zeiten von Klimaschutz und Ressourcenschonung immer wichtiger werden.

Jun.-Prof. Dipl.-Ing. Architektin Anne Hangebruch von der TU Dortmund nannte die Wunsiedler Pläne sogar „die Wiederentdeckung des Steins“.  Die Semesterarbeiten ihrer Studierenden im vierten Semester hätten die Anforderungen des Wettbewerbs mit Kreativität und hoher Qualität gemeistert - ein starkes Zeichen für den Nachwuchs am Bau.

Landrat Peter Berek brachte es in seinem Schlusswort auf den Punkt: Dieser Tag sei ein echter „Game-Changer“ für die Region und das nachhaltige Bauen. Ein wichtiger Schritt nach vorne sei gemacht, nun gelte es, vor Ort Rahmenbedingungen zu schaffen und mit vereinten Kräften die Finanzierung auf den Weg zu bringen. Berek dankte allen Partnern und auch den regionalen Sponsoren GELO und Hardt, die sich hinter diesem Zukunftsthema versammeln.

Modell mit Topographie

Hintergrund:
Nach ihrer Neuorganisation wird die sogenannte überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) in Deutschland nur noch an zwei Standorten, nämlich in Wunsiedel und in Holleben in Sachsen-Anhalt, angeboten. Die Zahl der nach Wunsiedel kommenden Schüler hat sich so massiv gesteigert, dass das gesamte Steinzentrum ertüchtigt werden muss. Im ersten nächsten Schritt wird ein neues Wohnheim für Auszubildende und Studierende benötigt. Seit dem Herbst hat sich eine Gruppe von 117 angehenden Architekten und Bauingenieuren unter der Leitung von Jun.-Prof. Dipl.-Ing. Architektin Anne Hangebruch mit dem Projekt befasst. Sie leitet den Lehrstuhl für Massive Baukonstruktionen an der TU Dortmund.