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Frühlingstreiben an unseren Gewässern

Mit den frostfreien und feuchten Nächten der letzten Tage hat die Wandersaison der Amphibien begonnen. Zu Hunderten machen sich Frösche, Kröten und Molche nun auf den Weg von den Winterquartieren zu den Laichgewässern. Allzu oft endet dieser Weg tödlich, wenn Winterquartier und Laichgewässer durch Straßen zerschnitten werden. Daher setzt sich der Landschaftspflegeverband Wunsiedel i. Fichtelgebirge e.V. (LPV) auch in diesem Frühjahr wieder an neuralgischen Punkten für den Schutz unserer heimischen Amphibien ein. Neben Amphibienzäunen am Wäschteich bei Thierstein und an der Kreisstraße zwischen Großwendern und Niederlamitz organisierte der LPV im letzten Jahr erstmalig auch einen mobilen Zaun an einem Flurweg hinter dem Golfhotel Fahrenbach bei Tröstau. Auf dem unscheinbaren kleinen Weg, der im ersten Moment nicht den Anschein einer Problemstelle hat, kam es durch den Golf- und Anliegerverkehr zuvor zu hohen Zahlen an überfahrenen Tieren. Daraufhin wandten sich die Betreiber des Golfplatzes an den Naturpark Fichtelgebirge e.V. und den LPV, um eine Lösung zu finden.

 

Der Amphibienzaun unterhalb des Golfhotels Fahrenbach. Im Hintergrund das Laichgewässer der Amphibien unterhalb der Kösseine (Foto: Florian Engelbrecht).

 

Wie schon im letzten Jahr bauten die Ranger des Naturparks Anfang März den 100 Meter langen Zaun auf. Diesmal holten sie sich Verstärkung bei den Junior-Rangern und machten die Aktion für diese zu einem spannenden Projekttag. Pünktlich zum meteorologischen Frühlingsanfang am 1. März stand der Zaun, doch durch die kalten Nächte und die Trockenheit blieben die hohen Amphibienzahlen bis auf einzelne Grasfrösche bislang aus. „Seit dem 22. März geht es endlich richtig los“, berichtet Florian Engelbrecht, Mitarbeiter beim LPV und Gebietsbetreuer beim Naturpark. „Neben Grasfröschen sind auch schon einzelne Erdkröten sowie Berg- und Teichmolche unterwegs.“ Diese stoßen auf ihrer Wanderung auf den Zaun, versuchen diesen zu umwandern und fallen schließlich in die Eimer, die entlang des Zauns eingegraben sind. Diese werden täglich von Freiwilligen kontrolliert, die die Amphibien einsammeln und an das Teichufer auf der anderen Seite des Weges setzen. „Wir freuen uns, dass wir dieses Jahr so viele zuverlässige und engagierte Freiwillige für die Betreuung des Amphibienzauns finden konnten. Ehrenamtliche leisten einen sehr wichtigen Beitrag in der Naturschutzarbeit. Projekte wie die Amphibienzäune wären ohne sie schlichtweg nicht möglich“, so Engelbrecht.

 

Bergmolch-Männchen (Foto: Florian Engelbrecht).

 

Um die fachgerechte Betreuung des Zaunes sicherzustellen, wies der Gebietsbetreuer in diesen Tagen eine kleine Gruppe ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer ein. Dies beinhaltete neben organisatorischen auch hygienische Aspekte, um die empfindliche Haut der Amphibien zu schützen. Daneben bekamen die Freiwilligen vom Gebietsbetreuer auch eine Einführung in die Bestimmung der verschiedenen Amphibienarten. Denn neben ihrer Schutzfunktion für die Tiere sind die Zäune für die Naturschützer ein wichtiges Monitoringinstrument: „Jedes Jahr führen wir eine Liste über die festgestellten Arten und die Individuenzahlen. So bekommen wir über die Jahre einen Eindruck davon, wie es der lokalen Amphibienpopulation geht.“ Letztes Jahr wurden auf diese Weise an dem Fahrenbacher Zaun über 3.000 Erdkröten, rund 60 Grasfrösche, 30 Bergmolche und 10 Teichmolche erfasst. Solche Zahlen sind zur Seltenheit geworden, erzählt der Gebietsbetreuer: „Früher waren solche Zahlen vielerorts Gang und Gebe. An vielen Stellen sind die Zahlen aber in den letzten Jahrzehnten so dramatisch eingebrochen, das es sich gar nicht mehr lohnt, Zäune aufzustellen. Neben rückläufigen Amphibienzahlen gibt es oftmals auch zu wenige Betreuerinnen und Betreuer, weshalb wir nicht überall, wo uns überfahrene Amphibien gemeldet werden, Zäune aufstellen können.“

Damit die Wandersaison für alle Beteiligten sicher verläuft, werden Autofahrer gebeten, in feuchten Senken und in Gewässernähe vorsichtig zu fahren. Oft sind an entsprechenden Stellen durch die Straßenmeistereien auch Warnschilder aufgestellt, die die Autofahrer nicht nur auf wandernde Amphibien und gegebenenfalls Ehrenamtliche am Straßenrand, sondern auch auf die Rutschgefahr durch überfahrene Amphibien hinweisen. Neben einem umsichtigen Fahren bittet der Gebietsbetreuer die Bürger außerdem, Ihre Hunde von den Zäunen fernzuhalten, die Eimer nicht einfach zu leeren oder sie gar aus der Erde herauszuziehen. „Was gut gemeint ist, kann die Funktion des Zaunes beeinträchtigen und im schlimmsten Fall zur Gefahr für die Tiere werden.“ Denn herausgezogene Eimer lassen sich oft nicht mehr ebenerdig einsenken und entstandene Schlitze am Rand der Eimer können zur Gefahr für Molche werden, die dann unter die Eimer fallen und dort nicht mehr herauskommen. „Außerdem verfälscht es unsere Zahlen und man stiehlt dem jeweils eingeteilten Betreuer auch die Freude, der sich schon auf der Hinfahrt zum Zaun auf die Überraschung freut, welche und wie viele Amphibien heute in den Eimern auf ihn warten“, schmunzelt Engelbrecht.

 

 Florian Engelbrecht, Mitarbeiter beim Landschaftspflegeverband Wunsiedel und Gebietsbetreuer beim Naturpark Fichtelgebirge, mit einer Erdkröte (Foto: Susanne Pätz).

 

(verfasst von Florian Engelbrecht, E-Mail)