Sie kümmern sich um kranke Eltern, pflegebedürftige Großeltern oder Geschwister mit besonderen Bedürfnissen – und das oft ganz nebenbei zu Schule, Ausbildung und Freundeskreis. Junge pflegende Angehörige, sogenannte "Young Carer", leisten Tag für Tag beeindruckendes. Um ihre Lebenssituation stärker in den Fokus zu rücken, fand am 26. März 2025 im Landratsamt Wunsiedel i. Fichtelgebirge eine Fachveranstaltung der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Hof-Wunsiedel statt. Rund 70 Teilnehmende aus den Bereichen Sozialarbeit, Pflege, Kinder- und Jugendhilfe sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger haben teilgenommen, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und Unterstützungsmöglichkeiten sichtbar zu machen.
Das Besondere an „Young Carern“: Sie übernehmen Verantwortung in einem Alter, in dem andere sich noch unbeschwert entfalten können. Haushalt, Betreuung, oft auch körperbezogene Pflege – ihre Aufgaben sind vielfältig. Doch ihre Realität bleibt in der Gesellschaft häufig unsichtbar. „Wichtig ist es uns, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, weil Young Carer oft gar nicht als Pflegende wahrgenommen werden“, betonte Ute Hopperdietzel von der Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken. „Wir möchten, dass das gesamte Umfeld besser hinsieht und sowohl die Herausforderungen als auch die positiven Entwicklungen dieser jungen Menschen erkennt.“
Speaker der Veranstaltung war Petra Schmieder-Runschke, Vorsitzende der „An Deiner Seite-Stiftung“. Gemeinsam mit Nadjila Bendig-Behrens, einer ehemaligen Young Carerin und heutigen Pflegeexpertin, stellte sie das gemeinnützige Stiftungsprojekt „Young Carer Coach“ vor. Diese digitale Plattform bietet jungen pflegenden Angehörigen eine Möglichkeit, sich auszutauschen, Unterstützung zu finden und Hilfeangebote zu nutzen. „Über Young Carers ist bislang viel zu wenig bekannt. Mit unserer Initiative wollen wir gerade auch im Schulbereich für ihre Bedürfnisse sensibilisieren“, so Schmieder-Runschke. Bendig-Behrens ergänzte: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie herausfordernd diese Situation sein kann. Aber ich weiß auch, wie man daran wachsen kann.“
