Wie kann die Pflege im Fichtelgebirge heute und in der Zukunft sichergestellt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der 1. Pflegekonferenz im Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge, zu der das Landratsamt und die Gesundheitsregionplus eingeladen hatten. Mehr als 60 Vertreterinnen und Vertreter von Pflegediensten, sozialen Trägern, Pflegeheimen, Fachbereichen, Klinikum, Pflegeschule, Hospizinitiative, Medizinischem Dienst Bayern sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern kamen zusammen. Die große Resonanz zeigt: Das Thema bewegt – und es drängt.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen das: Schon heute müssen einige Einrichtungen Anfragen ablehnen, weil Personal fehlt. Ab 2028, so die Prognosen, werden mehr Pflegekräfte in Rente gehen, als neue einsteigen. Gleichzeitig steigt der Anteil der über 65-Jährigen von aktuell 26 auf rund 31 Prozent bis 2040. Die Versorgungslage wird sich also weiter zuspitzen.
Landrat Peter Berek brachte vor diesem Hintergrund den Geist der Konferenz auf den Punkt: „Pflege ist eine soziale und vor allem moralische Verantwortung einer Gesellschaft. Die Pflegekonferenz soll uns hier zusammenbinden, die wir Tag für Tag in der Pflege-Praxis arbeiten. Wir alle sind aufgefordert, uns aufbauend auf den aktuellen Strukturen auf den Weg zu machen. Wenn wir die Herausforderungen der kommenden Jahre bewältigen wollen, müssen wir uns trauen, weit über den Status quo hinaus zu denken – über Zuständigkeiten und Trägergrenzen hinweg.“ Gesundheitsbeauftragte Kornelia Schaffhauser ergänzte, dass die Pflege zuhause künftig eine noch größere Rolle spielen wird: „Pflege zuhause ist keine Option mehr – sie ist eine Notwendigkeit, wenn wir die Herausforderungen des demografischen Wandels bewältigen wollen. Pflegende Angehörige sind das Rückgrat unseres Pflegesystems. Sie brauchen Unterstützung, Entlastung und Anerkennung. Wir müssen Pflege im Landkreis neu denken und heute die Weichen stellen, damit morgen eine würdevolle Versorgung möglich bleibt.“
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig: gesetzliche Rahmenbedingungen oder bundesweite Finanzierungssysteme kann man auf Landkreisebene nicht beeinflussen. Aber auch im Kleinen kann man einiges bewegen – durch Austausch, Vernetzung und kreative Lösungen, die direkt bei den Menschen vor Ort ansetzen. Mit eigenen Ideen handlungsfähig bleiben, ist das erklärte Ziel.
Schon im Vorfeld der Pflegekonferenz hatte das Landratsamt zwei Workshops veranstaltet und eine Umfrage unter allen Beteiligten durchgeführt. Dabei zeigte sich deutlich, wo die größten Baustellen liegen: fehlende Kapazitäten in der Tages- und Kurzzeitpflege, Überlastung pflegender Angehöriger, hoher Dokumentationsaufwand, Hürden bei der Anerkennung ausländischer Pflegekräfte – um nur einige zu nennen. Gleichzeitig wurde klar: Viele Akteure im Landkreis wollen nicht länger nur reagieren, sondern selbst gestalten – sei es durch gemeinsame Entlastungsmodelle, neue Wege der Fachkräftegewinnung oder digitale Lösungen, die den Alltag in der Pflege einfacher machen.
