In Röslau grasen seit einigen Wochen urige Hochlandrinder mit zotteligem Fell und mächtigen Hörnern entlang des neu gebauten Radweges in der Nähe der Kläranlage. Ein Projekt, das nicht nur die Dorflandschaft bereichert, sondern auch die Artenvielfalt schützt. Initiiert wurde es vom Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge zusammen mit der Gemeinde Röslau und engagierten Landwirten. „Ohne diese enge und herzliche Zusammenarbeit wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen“ freut sich Susanne Pätz von der Unteren Naturschutzbehörde. „Beweidung mit Herz und Verstand“ – das ist das Motto von Familie Wolf, die sich auf die Beweidung und die Pflege von schwierig zu bewirtschaftenden „Naturschutzflächen“ spezialisiert haben, die oft zu nass oder zu steil für die „normale“ Landwirtschaft sind.
Rinder fressen jeden Tag über die ganze Weidesaison. Dadurch finden Insekten, Zikaden, Schmetterlinge, Heuschrecken, Wildbienen und viele andere Insektengruppen stets das, was sie zum Leben brauchen. In einem reichen Mosaik blühen irgendwo immer Blumen, sind kurzrasige Bereiche neben älteren Grasbeständen und hohen Grasbüscheln. Auch ausreichend alte Stängel sind vom Vorjahr als Nisthilfe für Wildbienen und Feldwespen vorhanden. Ameisenhaufen können in aller Ruhe ihre Nester aufbauen, Frösche und Eidechsen flitzen von Deckung zu Deckung. Und natürlich leben sehr viele Fliegen im Rinderdung, den sie verwerten und dann als Nahrung für zum Beispiel Schwalben und Spatzen zur Verfügung stehen.
Der Erhalt der traditionellen Kulturlandschaft ist ein wichtiges Anliegen der Akteure. Wenn die offenen Auenwiesen und steilen Böschungen, die unsere Vorfahren mühsam offengehalten haben, unter Gehölzen verschwinden, geht ein Stück unserer Landschaft verloren. „Für Spaziergänger, Radfahrer und Gäste sind unsere Hochlandrinder stets ein Anziehungspunkt“, weiß Marion Wolf, die gemeinsam mit ihrem Mann bereits viele Projekte umgesetzt hat. Durch die Rinder kommt wieder Leben in die Landschaft. Die Bevölkerung hat das Projekt bereits gut angenommen. Spaziergänger bleiben gerne an den Weiden stehen, Kinder bestaunen die Tiere und für viele Gäste ist der Anblick der friedlich grasenden Rinder ein Stück ländlicher Idylle.
Fazit: Das Beweidungsprojekt in Röslau zeigt eindrucksvoll, wie Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen können. Die Tiere sind nicht nur nützlich für die Landschaftspflege, sondern auch Botschafter für eine lebendige, lebens- und liebenswerte Heimat.
