Ein smarter Mülleimer, der selbst meldet, wann er geleert werden muss. Wanderwege, die dank Augmented Reality zum digitalen Erlebnis werden. Oder eine Sporthalle, die Bürgerinnen und Bürger bequem online buchen können. Geht es nach dem Zentrum für Digitale Entwicklung (ZDE) und dem Team des Smarten Fichtelgebirges wird das Realität.
Im Landratsamt Wunsiedel i. Fichtelgebirge ist der offizielle Startschuss für die digitalen Modellprojekte gefallen, die im Rahmen des EU-geförderten Programms PilotInnCities umgesetzt werden. Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Modellkommunen, Landrat Peter Berek sowie Vertreter des ZDE und des Smarten Fichtelgebirges kamen zum gemeinsamen Auftakt im Landratsamt zusammen.
Dass der Landkreis als Modellregion ausgewählt wurde, sei kein Zufall, betonte Wolfgang Weiß, Geschäftsführer des ZDE: „Wir hatten freie Auswahl, was die Auswahl der Modellregion betrifft. Die Entscheidung für das Fichtelgebirge war einfach, weil wir die Region inzwischen gut kennen. Hier gibt es nötige Innovationsfähigkeit, eine sehr gute digitale Infrastruktur und vor allem eine Macher-Mentalität, die ihresgleichen sucht.“
Das Ziel der Initiative: Projekte mit hohem Nutzen für die Menschen vor Ort „so schnell wie möglich auf die Straße zu bringen“, erklärt Landrat Peter Berek. Firmen konnten sich auf die lokalen Problemstellungen mit ihren Lösungsideen bewerben. Die Resonanz war groß – die Zahl der Bewerbungen überstieg das Soll um ein Vielfaches. Die Finanzierung erfolgt schlank und risikoarm: Mit überschaubaren Budgets zwischen 5.000 und 10.000 Euro werden die Projekte erprobt, der Großteil der Kosten fließt über EU-Mittel zurück. „Alle Projekte laufen zunächst für sechs Monate. Bewährt sich ein Ansatz, kann er verstetigt und auf weitere Orte übertragen werden – im Landkreis, darüber hinaus in der Region und möglicherweise europaweit“, erklärt der Landrat weiter.
Jens Büttner, Bürgermeister in Kirchenlamitz, unterstrich, wie groß die Chancen neuer Technologien wie LoRaWan seien. Mit geringem Energieverbrauch könnten Systeme wie smarte Mülleimer oder Parkplatzsensoren echte Effizienzgewinne für die Arbeit in den Kommunen bringen. In dieser Richtung geht auch der Blick der Marktleuthener Bürgermeisterin Sabrina Kaestner. Sie verwies auf die Entlastung der Verwaltung durch die Digitalisierung des Buchungsprozesses der Stadtsporthalle. Gleichzeitig profitiere die Bürgerschaft durch transparente Informationen über verfügbare Zeiten – ein Modell, das auch auf andere Liegenschaften übertragbar sei. Bürgermeisterin Anita Berek aus Bad Alexandersbad hob die Vorteile für Kommunen und Bürger durch die Ergänzung der regulären Wanderwegbeschilderung durch digitale Elemente hervor. Änderungen können nicht nur schnell und kostengünstig kommuniziert werden, sondern AR-Elemente bieten zudem den Gästen einen großen Mehrwert.
Auch Oliver Rauh, Projektleiter Smartes Fichtelgebirge, sieht einen großen Mehrwert: „Von der Idee zum Prototypen, vom Prototypen zur praktischen Lösung – genau diesen Weg beschreiten wir jetzt. Und das mit Tempo, Pragmatismus und einem klaren Fokus auf die Bürgerinnen und Bürger. Mit dieser Dynamik nimmt das Fichtelgebirge eine Vorreiterrolle in Deutschland ein. Die Herangehensweise ist in dieser Form aktuell einmalig in Mittel- und Südeuropa.“
