„Unser immaterielles Kulturerbe ist ein wertvoller Schatz, der unsere Gesellschaft prägt und zusammenhält. Die lebendigen Traditionen und das vielfältige Wissen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, bereichern das gesellschaftliche Leben, wirken identitätsstiftend und machen Bayern einzigartig. Es ist beeindruckend zu sehen, mit wie viel Leidenschaft und Kreativität die Menschen hier ihre Bräuche und Fertigkeiten bewahren und weiterentwickeln. Die Aufnahme in das Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes ist eine Anerkennung für dieses außergewöhnliche Engagement. Wer unsere Traditionen pflegt, trägt aktiv dazu bei, dass unsere Heimat lebendig bleibt und auch künftige Generationen ihre Wurzeln spüren können. Für Ihr herausragendes Engagement verdienen Sie größte Anerkennung und ein herzliches Vergelt’s Gott – Sie sind echte Gestalter unserer Heimat. Es ist mir eine besondere Freude, heute zehn der insgesamt 21 Neuaufnahmen im festlichen Rahmen im Heimatministerium Nürnberg würdigen und persönlich auszeichnen zu dürfen!“, betont Finanz- und Heimatminister Füracker bei der Urkundenübergabe am Donnerstag (9.7.) in Nürnberg.
Seit 2003 stellt die UNESCO immaterielle kulturelle Ausdrucksformen in den Fokus der Öffentlichkeit. Überall auf der Welt sollen überliefertes Wissen und Können, das einen wesentlichen Bestandteil unserer Alltagskulturen ausmacht, als immaterielles Kulturerbe sichtbar gemacht sowie Maßnahmen unterstützt werden, die zur Erhaltung und Weiterentwicklung geeignet sind. Bis heute sind 185 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat. Neben dem Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes gibt es in Bayern ein eigenes Landesverzeichnis, das nun 103 Eintragungen enthält.
Die nächste Bewerbungsrunde startet voraussichtlich im April 2028. Informationen zum bundesweit einheitlichen Bewerbungsverfahren finden sich im Internet unter www.ike.bayern.de. Interessierte und Antragsteller können sich bei der Beratungs- und Forschungsstelle Immaterielles Kulturerbe Bayern informieren und beraten lassen (E-Mail, Tel.: 089 23031-1356).
Folgende Kulturformen wurden nach Empfehlung durch das unabhängige Expertengremium neu in das Bayerische Landesverzeichnis aufgenommen und erhalten heute ihre Urkunde (Für Südbayern fand die Auszeichnungsveranstaltung im Juni in München statt):
Wiesenfeste
Bei den 31 Wiesenfesten handelt es sich im Kern um Schuljahresabschlussfeste, die sich im frühen 19. Jahrhundert in weiten Teilen Nordostoberfrankens und im benachbarten Thüringen entwickelt haben. Den Höhepunkt bilden festliche Umzüge der Schulkinder, die von der Schule zur Festwiese oder zum Festplatz in Begleitung von Musikgruppen, Vereinen und Ehrengästen führen. Dort werden Lieder gesungen, Tänze (Reigentanz) oder Theaterstücke aufgeführt und sportliche Wettkämpfe ausgetragen. Bei den jährlich oder zweijährlich gefeierten Festen stehen die Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Dies bedingt eine strukturelle Ähnlichkeit, obwohl die jeweiligen Orte ihren Festen ihr ganz eigenes Gepräge verleihen.
