Radonvorsorgegebiet

Seit dem 11.02.2021 ist der Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge sogenanntes Radonvorsorgegebiet. Das bringt eine Reihe von Vorteilen, aber auch eine Reihe von Pflichten mit sich. Auf dieser Seite haben wir wichtige Informationen für Unternehmer und Privatpersonen zusammengestellt und beantworten häufig gestellte Fragen:

Warum der Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge?

Radon ist ein im Boden natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas, das im Niedrigdosisbereich therapeutisch auch hier in der Region von jeher Anwendung findet und dessen heilende Wirkung bereits seit Jahrhunderten bekannt ist. Auch im angehenden Heilbad Weißenstadt wird Radon für die Gesundheit eingesetzt. Allerdings kann ein zu intensiver und unkontrollierter Einfluss von Radon auch zu Erkrankungen führen. Mit den in Radonvorsorgegebieten laufenden Untersuchungen soll hier Pionierarbeit geleistet werden. Die Initiative dazu kommt aus dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. „Ich begrüße das sehr“, sagt dazu Landrat Peter Berek. „Denn durch diesen Schritt werden wir Vorreiter bei diesem viel diskutierten Thema und packen die Chance der Prävention beim Schopf. Denn dass es in vielen Landkreisen in Oberbayern, aber auch in Oberfranken hohe Radonbelastungen gibt, ist seit vielen Jahren bekannt. In den neu eingerichteten Vorsorgegebieten werden nun auch umfangreiche Untersuchungen und Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Davon können wir hier im Landkreis nur profitieren.“

Welche Folgen hat eine Einstufung zum Radonvorsorgegebiet?

Hintergrund für die Ausweisung von Radonvorsorgegebieten ist das neue Strahlenschutzgesetz des Bundes. Damit sind sowohl bei Neubauten als auch an Arbeitsplätze gewisse Pflichten gekoppelt.

Pflichten beim Neubau
Deutschlandweit muss inzwischen bei jedem Neubau ein Basisschutz vor Radon umgesetzt werden. Dieser gilt als erfüllt, wenn die nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik erforderlichen Maßnahmen zum Feuchteschutz eingehalten werden. In Radon-Vorsorgegebieten muss durch eine zusätzliche Radon-Schutzmaßnahme der Eintritt von Radon weiter erschwert werden. Denkbar sind hier verschiedene Baumaßnahmen, aber auch ein Einbau von Lüftungen oder sogenannten Radonbrunnen.

Pflichten an Arbeitsplätzen
In Radon-Vorsorgegebieten müssen Arbeitgeber die Radonkonzentration an allen Arbeitsplätzen im Erd- und Kellergeschoss messen. Wird der Referenzwert von 300 Bq/m3 überschritten, müssen Maßnahmen zur Senkung der Radonkonzentration eingeleitet werden. Nach Inkrafttreten der Festlegung (also zum Stichtag 11.02.2021) bleiben Arbeitgebern 18 Monate Zeit, um die Messungen abzuschließen. Da die Messung selbst zwölf Monate beträgt, sind maximal sechs Monate Planungszeit möglich. Starten müssen die Messungen spätestens am 11.08.2021.  Gemessen werden muss mit Messgeräten, am besten Exposimetern, von einer anerkannten Stelle. Das Bundesamt für Strahlenschutz stellt eine Liste mit allen anerkannten Stellen zur Verfügung: https://www.bfs.de/DE/themen/ion/service/radon-messung/anerkennung/anerkennung_node.html

Wer muss solche Radon-Messungen durchführen?

Alle Arbeitgeber im Landkreis; das heißt Firmen- oder Rathauschefs, aber auch Kleinunternehmer oder Alleinselbstständige, die möglicherweise von zuhause aus arbeiten.

Wie wird die Radon-Konzentration gemessen?

Die Radonkonzentration in Gebäuden und Innenräumen hängt stark von der Art und dem Alter des jeweiligen Gebäudes ab. Wie ist sein baulicher Zustand? Wie steht es um die Dichtigkeit der Gebäudehülle? Wieviel Radon kommt im Untergrund an diesem Standort vor? Dies sind nur einige Faktoren, die Einfluss auf die vorhandene Konzentration haben können. Der Referenzwert, ab dem Handlungsbedarf besteht, liegt dabei bei 300 Bq/m3. Er bezieht sich auf ein Jahresmittel der im Gebäude gemessenen Werte.

Anleitung zur Messung: Radon messen an Arbeitsplätzen - LfU Bayern: https://www.lfu.bayern.de/strahlung/radon_in_gebaeuden/messung/arbeitsplatz/index.htm

Für die Unternehmer im Landkreis hat das LfU dafür ein Pilotprojekt entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Angebot, dass die beteiligten Unternehmer nach den Messungen, die ohnehin verpflichtend sind, Ihre Daten einreichen können und dann eine Pauschale erstattet bekommen.

Eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt der Pauschale ist eine rechtskonforme Messung mit Exposimetern. Das heißt, die Exposimeter müssen von einer anerkannten Stelle bezogen werden und die Messdauer muss zwölf Monate betragen.

Hinweis: Nur die passiv, integrierend mit Festkörperdetektor Messverfahren sind für das Pilotprojekt des LfU zulässig!

Welche Folgen haben die Messungen für Unternehmer?  

Bewegen sich die Werte unterhalb des Referenzwertes ist dies sicherlich ein gutes Argument gegenüber Ihren Arbeitnehmern und auch potentiellen Bewerbern, da über den Nachweis des Wertes im Unternehmen die Sicherheit des Arbeitsplatzes dann zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.

Sollte in der ersten Messung der Referenzwert im Gebäude oder einzelnen Räumen über einen Zeitraum von 12 Monaten aber tatsächlich überschritten werden, muss der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen (beispielsweise kleine Umbauten, die Umnutzung von Räumen oder der Einbau sogenannter Radonbrunnen) vorsehen. Sind diese getroffen worden, wird erneut 12 Monate lang gemessen. Erst wenn der Referenzwert auch danach weiterhin überschritten werden sollte, werden die Behörden (in diesem Fall das Landesamt für Umwelt) eingeschaltet.

Wer trägt die Kosten für das Pilotprojekt?

Anfallende Kosten sind die Anschaffung der Exposimeter sowie der Aufwand zur Dokumentation der Messungen und Weitergabe der Daten. Die beteiligten Unternehmer erhalten im Zuge des Pilotprojektes eine Pauschale von 25,00 EUR erstattet. Genaue Abstimmungen zu den Details laufen noch. Kosten für die Beauftragung von Sachverständigen für die Messungen sind durch die Pauschale nicht abgedeckt, da eine solche Beauftragung aufgrund der Einfachheit des Projekts durch das Ministerium auch nicht vorgesehen ist.

Wie lange das Pilotprojekt läuft und wie der konkrete Ablauf für die Kostenerstattung ist, wird auf der Internetseite des LfU bekannt gegeben: https://www.lfu.bayern.de/strahlung/radon_in_gebaeuden/vorsorgegebiete/index.htm

Wo kann ich mich weiterführend informieren?

Alle Informationen zu Radon und hilfreiche Links finden Sie auf der Internetseite des LfU: https://www.lfu.bayern.de/strahlung/radon_in_gebaeuden/index.htm

Freiraum für Macher